Was ist das nur immer für ein Geräusch? Muss das sein, mitten in der Nacht? Verdammt, das ist ja der Wecker. Na prima, schon wieder verpennt. Hab ich überhaupt geschlafen? Wozu schlaf ich denn, wenn ich am Morgen so kaputt bin. Da könnt ich doch gleich arbeiten, dann wär ich vielleicht endlich mal wieder auf dem Laufenden.
Hoffentlich wird heute nicht wieder so ein beschissener Tag wie gestern. Frühstücken kann ich, solange ich auf den Bus warte. Nur schnell einen Kaffee, sonst geht gar nichts. «Schaaaaatz? Du denkst an unsere Verabredung heute Abend mit den Maiers?» Mist, das hab ich völlig vergessen. Ausgerechnet heute, wo ich so viel zu tun hab und sowieso auf keinen grünen Zweig komm. «Ich seh’s dir an. Komm erst gar nicht auf die Idee, wir könntne absagen. Wir haben das lange genug im Voraus geplant, weil du ja immer keine Zeit hast. Du konntest dich doch nun wirklich darauf einrichten.» Warum kann meine Frau nicht mehr Rücksicht auf mich nehmen? Wie wenn ich gerne so viel arbeiten würde. Da strampel ich mich jeden Tag ab und dann hab ich nicht mal meine Ruhe, wenn ich nach Hause komme. Kann ich mich nicht einfach mal aufs Sofa legen und ausruhen? Wenn ich nur nicht immer so müde wäre. Ich hab die Kraft nicht, mir heute Abend anzuhören, was für ein toller Hecht der Maier ist und was die beiden wieder alles unternommen haben. Kunststück, den kann man ja zu nichts brauchen. Natürlich hat der keinen Stress bei der Arbeit.
Ah, der Kiosk, wenn ich den nicht hätte. Hoffentlich krieg ich noch einen Kaffee, bevor der Bus kommt. Besser noch ein Sandwich mitnehmen, übern Mittag komm ich eh wieder nicht zum Essen. Ich muss endlich die Budgetzahlen liefern. Wenn ich doch nur mal dranbleiben könnte und nicht immer gestört werden würde. Wie soll man denn an alles denken, wenn man nicht einmal eine Stunde Ruhe haben kann? Die warten doch nur darauf, dass ich einen Fehler mache. Wie die Geier sitzen die da und warten.
«Wo warst du denn so lange? Der Chef ist ganz schön sauer. Hast du wieder irgendetwas nicht rechtzeitig geliefert?». So, hat es sich also herumgesprochen, dass es letzte Woche im Beurteilungsgespräch hiess, meine Termintreue sei nicht ausreichend. Hätte ich dem Chef doch bloss mal die Meinung gesagt. Seit er dem Hans gekündigt hat, muss ich einen Grossteil seiner Aufgaben auch noch übernehmen. Wie soll das alles bewältigen? Der Hans hat schliesslich auch den ganzen Tag zu tun gehabt und jetzt soll ich das so nebenbei machen. «Zu viel Arbeit? Dann setzen Sie Prioritäten! Oder können Sie das nicht?» hat der Chef gesagt.
Diese Kopfschmerzen! Wie soll man sich da konzentrieren. Die Tabletten taugen auch nichts. Wenn ich doch nur mal ausschlafen könnte. Und mich alle in Ruhe lassen würden...
Diese kleine Geschichte ist frei erfunden. Und dennoch passiert sie täglich. Unser fiktiver Freund, den wir an einem ganz normalen Morgen begleitet haben, ist gefangen in seinem Hamsterrad. Er ist dem Burnout zumindest nahe, vielleicht auch schon drin, doch selber sieht er es nicht. Er steht unter Stress, was an und für sich nicht schädlich sein muss, doch er kann den Stress nicht mehr abbauen, der Stress staut sich auf - und da wird es gefährlich. Der Mann fühlt sich als Opfer seiner Umgebung und der Umstände, statt selber die Verantwortung für sein Leben zu übernehmen und etwas zu ändern. Die Abwärtsspirale dreht sich.
Burnout wird von vielen Menschen nicht ernst genommen. Oft besteht der Verdacht, dass ein Burnout-Betroffener zu faul ist zu arbeiten oder sich eben "anstellt , statt zu funktionieren, wie unsere Gesellschaft das erwartet. Erfolgreiche Menschen, die sich stark mit ihrer Arbeit identifizieren und gute Ergebnisse erzielen, haben besonders Mühe damit, Burnout-Betroffene zu verstehen, denn sie können sich so eine Krankheit schlicht nicht vorstellen. Und das tragische daran: genau diese Menschen sind es, die besonders Burnout gefährdet sind.
Informationen über Burnout sind wichtig. Wer Burnout Ursachen und Burnout Symptome kennt, hat eine viel grössere Chance, die Krankheit erst gar nicht zu entwickeln.
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